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Chemiebranche als Trendsetter in Sachen Nachhaltigkeit

Programme für Energie- und Ressourceneffizienz sowie Nachhaltigkeit sind bei der chemischen Industrie keine leeren Versprechungen, sondern entwickeln sich einem aktuellen Bericht in den VDI Nachrichten vom 20. November 2015 zufolge zu einem echten Trendsetter. „Solche Investitionen rechnen sich immer“, davon ist Ralf Fücks, Vorsitzender der Heinrich-Böll-Stiftung, überzeugt. Deutsche Chemiefirmen konnten so in den vergangenen 20 Jahren ihr Wachstum vom Energieverbrauch und von CO2-Emissionen abkoppeln. Dieser hohe Grad an Ressourceneffizienz sei heute ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Fücks geht davon aus, dass auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern die Anforderungen an Umwelt- und Gesundheitsschutz steigen werden, zumal hiesige ökologische und soziale Standards zunehmend auch bei den Zulieferern vorausgesetzt werden.

VinylPlus gibt Recycling von fast einer halben Million Tonnen PVC bekannt und kündigt höheres Engagement beim Klimaschutz an

Mit 481.018 Tonnen recycelten PVC-Abfällen im Jahr 2014 nähert sich VinylPlus, das Programm für nachhaltige Entwicklung der europäischen PVC-Industrie, den Recycling-Zielen bis 2020 weiter an. Die Branche hat Anfang Mai beim Vinyl Sustainability Forum 2015 ihr starkes Engagement bekräftigt, die Beteiligung der europäischen PVC-Wertschöpfungskette an den Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren.

Unter dem Motto „Mehr Vinyl, weniger CO2“ trafen sich vergangene Woche über 100 Interessenvertreter aus Hochschulen, Regierungsbehörden, der UN, der Europäischen Kommission, dem Einzelhandel und aller Bereiche der PVC-Branche zum Forum im französischen Cannes. Bei den Diskussionen ging es vorrangig darum, wie die Branche zum Kampf gegen den Klimawandel beiträgt, wie die Energie- und Ressourceneffizienz verbessert werden kann und wie PVC-Produkte zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen können.0

In seiner Begrüßungsrede an die Delegierten sagte der VinylPlus-Vorsitzende Michael Träger: „Die 2014 erzielten Fortschritte und erreichten Ziele von VinylPlus zeigen wieder einmal die Entschlossenheit unserer Branche, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und zeugen von der Effektivität unseres freiwilligen Ansatzes zu nachhaltiger Entwicklung. Wie geplant werden wir 2015 die angesetzte kritische Halbzeitüberprüfung unserer Ziele vornehmen und dabei unsere bisherigen Aktivitäten messen und bewerten, um unser Nachhaltigkeitsprogramm in den Kontext der sozioökonomischen und umweltbezogenen Entwicklungen zu setzen. Das heutige Forum gibt uns die Möglichkeit, unseren Überprüfungsprozess auch im Rahmen der globalen Nachhaltigkeitsagenda für 2015 zu beginnen.“

Christophe Yvetot von der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO) fasste die UN-Nachhaltigkeitsagenda für 2015 einschließlich der Nachhaltigen Entwicklungsziele (2015-2030) sowie der UN-Klimakonferenz in Paris (COP21) zusammen und sagte: „Die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) für die Zeit nach 2015 und die Klimaschutzziele bieten der Branche neue Möglichkeiten, wie die Verteilung des Wohlstands und den Schutz der Umwelt. Als Mitglied der Green Industry Platform kann die PVC-Industrie durch ihre kontinuierlichen Bemühungen, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und neue grüne Produkte, Dienstleistungen und Arbeitsplätze zu entwickeln, die eine nachhaltigere Welt fördern und, aktiv zur globalen Nachhaltigkeitsagenda beitragen.“

Bei der Vorstellung des Fortschrittsberichts 2014 sagte VinylPlus-Geschäftsführerin Brigitte Dero: „Unser freiwilliges Engagement umfasst Themen, die mit dem Klimawandel eng verbunden sind, wie etwa Recycling, der Ressourcen- und Energieeffizienz und die Reduzierung der Treibhausgasemissionen in der gesamten Produktionskette sowie ein erhöhter Einsatz erneuerbarer Energien und Materialien.“

Im Jahr 2014 recycelte VinylPlus 481.018 Tonnen PVC-Abfälle und ist damit auf dem besten Weg, sein Ziel von 800.000 Tonnen pro Jahr bis Ende 2020 zu erreichen. Recovinyl (www.recovinyl.com), die Organisation, die 2003 gegründet wurde, um die Sammlung und das Recycling von PVC-Abfällen zu erleichtern, konnte mit 473.576 Tonnen die größte Menge registrieren und zertifizieren.

Dennoch könnten Unsicherheiten bei der Auslegung der relevanten EU-Bestimmungen (REACH[1], CLP[2] und die Richtlinie über gefährliche Abfälle) besonders in Verbindung mit recyceltem PVC, das in der Vergangenheit verwendete Zusatzstoffe enthält, die Recyclingaktivitäten sowie die Nachfrage nach Rezyklaten in Europa gefährden. Die europäische PVC-Industrie arbeitet eng mit den zuständigen Behörden zusammen, um dieses Problem anzugehen.

Auch bei den PVC-Additiven konnte 2014 ein wichtiger Fortschritt verzeichnet werden: Der Einsatz bleihaltiger Stabilisatoren ist in den 28 Mitgliedstaaten der EU im Vergleich zu 2007 um 86 % zurückgegangen, was ein großer Schritt in Richtung des Zieles ist, diese bis Ende 2015 gänzlich zu ersetzen. Des Weiteren hat VinylPlus‘ Arbeitsgruppe zum Thema Zusatzstoffe eine neue Methode entwickelt, den Einsatz dieser Substanzen als Zusatzstoffe in PVC-Produkten zu bewerten. Dabei wird auch die aktuelle Umweltproduktdeklaration (EPD) mit den Nachhaltigkeitskriterien des TNS[3] berücksichtigt. Im Anschluss wurde der neue „EPDplus“ Ansatz zusammen mit externen Interessenvertretern geprüft und diskutiert. Die Fertigstellung des ersten EPDplus für Abwasserrohre wurde beim Vinyl Sustainability Forum 2015 bekanntgegeben.

Ein weiteres bedeutendes Ergebnis im Bereich Klimaschutz ist der Rückgang des Energieverbrauchs der ECVM[4]-Mitgliedsunternehmen 2012–2013 bei der Herstellung einer Tonne PVC um durchschnittlich 10,2 % im Vergleich zu 2007–2008. Hier befindet man sich ebenso auf einem guten Weg, die angestrebte Reduzierung um 20 % bis 2020 zu erreichen.

„UNEP begrüßt jegliche Brancheninitiativen wie VinylPlus, die sich der Herausforderungen bewusst sind, Ziele setzen, Interessenvertreter miteinbeziehen und Fortschritte aufzeigen. Im Jahr 2015 wird die Nachhaltigkeitsagenda bis 2030 und darüber hinaus festgelegt. Egal, wie Sie reagieren, die Trends, die den Planeten antreiben, sind auch die treibenden Trends des Marktes. Der Privatsektor kann dies als eine Reihe weiterer Verordnungen, Beschränkungen und bürokratischen Aufwands wahrnehmen oder als eine historische unmittelbare Gelegenheit, innovativ zu werden, neue Märkte zu erschließen und mit Kunden und Interessenvertretern eine neue Ebene der Partnerschaft zu betreten, um die Gesellschaft dabei zu unterstützen, die Herausforderungen, die der Wandel mit sich bringt, zu meistern. UNEP ist bereit, mit diesen Visionären zusammenzuarbeiten“, so Arab Hoballah, Leiter des Bereichs Sustainable Lifestyles, Cities and Industry des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP).

EU-Gipfel beschließt Klimaziele bis 2030: 27% mehr Energieeffizienz

In der vergangenen Woche wurden in Brüssel die Klimaziele bis 2030 verabschiedet. Neben 40% weniger CO2-Ausstoß gegenüber 1990 und den Ausbau von erneuerbaren Energien auf einen Anteil von 27% einigten sich die Politiker beim Energiesparen auf eine neue Zielmarke von 27%. Ursprünglich hatte die Bundesregierung 30% mehr Energieeffizienz gefordert. Angela Merkel zeigt sich laut Medienberichten zufrieden, da eine europäische Einigung die notwendige Voraussetzung für einen erfolgreichen Weltklimagipfel 2015 in Paris ist und nationale Ziele weit strenger seien als die neuen EU-Vorgaben. Deutschland hätte sich demnach höhere Ziele vorstellen können, so die Bundeskanzlerin.

Auch die AGPU wird ihre Bestrebungen nach mehr Nachhaltigkeit und Energieeffizienz weiter fortsetzen, denn für die PVC-Branche – besonders für das Kunststofffenster und weitere Produkte zur Isolierung – ergeben sich aus der Energiewende große Potenziale. „Der Hebel zum Erreichen der Energiesparziele ist im Segment des Verbrauchs in Gebäuden am größten“, so AGPU-Geschäftsführer Thomas Hülsmann. Insgesamt entfallen rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf diesen Bereich und können bereits heute mit vorhandenen Technologien und Produkten erreicht werden. Hier spielen Produkte aus dem Werkstoff PVC eine wichtige Rolle.

Am Beispiel des Bottroper Projekts InnovationCity Ruhr wird das Einsparpotenzial durch die energetische Sanierung von Gebäuden besonders deutlich. In den sogenannten Zukunftshäusern sind unter anderem PVC-Fenster im Passivhausstandard und andere PVC-Produkte wie Kabelkanäle und Isolierfolien für Rohre verbaut.

Starker Kreislauf für die Kurstadt

Aus Alt wurde wieder Neu: 750 Kunststoff-Altfenster aus Bad Kissingen in geschlossenem Materialkreislauf recycelt / Fensterbauunternehmen aus Oberthulba belegte Platz 1 im Wettbewerb „Umweltgerechte Modernisierung“ / Preisverleihung im Rathaus / „Erweiterung des Themas energetische Sanierung um den Aspekt der Nachhaltigkeit“.

Zur Umsetzung der Energie- und Klimaziele propagiert der Koalitionsvertrag aktuell einen „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz“. Vor diesem Hintergrund besitzt auch die energetische Gebäudesanierung als eines der größten Energieeinsparpotenziale besondere Bedeutung. Der Wettbewerb „Umweltgerechte Modernisierung“ unter der Schirmherrschaft von Prof. Harald Herrmann, Leiter und Direktor des Bundesinstituts für Stadt,- Bau- und Raumforschung (BBSR), Bonn, im Januar 2012 ausgelobt, hatte die Aufgabe, beispielhafte Sanierungen von Wohnimmobilien und öffentlichen Gebäuden zu ermitteln und auszuzeichnen.

Platz 1 für Bad Kissinger Fensterbaubetrieb
Im großen Sitzungsaal des Bad Kissinger Rathauses fand nun im Beisein von Oberbürgermeister Kay Blankenburg und Schirmherr Prof. Herrmann die Preisverleihung statt. Platz 1 ging an die Keßler Fensterbau GmbH aus Oberthulba nahe Bad Kissingen. Platz 2 belegte die Geho-Fenster und Bauelemente GmbH aus Nossen bei Dresden. Initiatoren des Wettbewerbs waren die Rewindo Fenster-Recycling-Service GmbH und die Arbeitsge-meinschaft PVC und Umwelt e. V. (AGPU), beide Bonn. „Dieser Preis passt gut zu Bad Kissingen, denn Begriffe wie Wohlergehen und Gesundheit sowie Umwelt und Nachhaltigkeit werden in unserer Kurstadt besonders großgeschrieben“, betonte Blankenburg. Genau dies seien auch die Anliegen des Wettbewerbs, den man deshalb seitens der Stadt Bad Kissingen voll unterstützt habe.

750 alte Kunststofffenster recycelt
Bei dem Gewinnerobjekt handelt es sich um die energetische Sanierung von vier längere Zeit unbewohnten Mehrfamilienhäusern mit 84 Wohneinheiten der einstigen US Housing Area in der Pfalzstraße und Schurzstraße in Bad Kissingen. Bauherr und Investor war die Schaible Immobiliengruppe aus Rastatt. Eines der renovierten Häuser erreichte den besonderen Status eines „Energieeffizienzhaus 100“. Neben einer umfassenden Modernisierung aller energetisch wesentlichen Komponenten wie Fassaden, Dächer, Keller und Heizanlagen wurden auch 750 alte PVC-Fenster gegen neue Energie sparende Kunststofffenster ausgetauscht. Die ausgedienten Bauelemente wurden in Containern gesammelt und in die Recyclinganlage der Veka Umwelttechnik GmbH nach Hörselberg-Hainich, nahe Eisenach, transportiert. Dort wurden sie werkstofflich recycelt und anschließend von den Kunststofffenster-Profilherstellern als Recyclingprofile wiederverwertet.

Grundgedanke der Nachhaltigkeit
Ein ähnliches Verfahren wurde den ca. 260 PVC-Altfenstern zuteil, die vom zweitplatzierten Fensterbauunternehmen Geho im Rahmen der energetischen Sanierung zweier Hochhäuser der Gemeinnütziges Siedlungswerk Mainz GmbH in Hochheim am Main und Mainz unter der Bauleitung der B & O Wohnungswirtschaft GmbH, Niederlassung Chemnitz, ausgetauscht worden waren. Die Altfenster gelangten wie in Bad Kissingen ebenfalls in die Recyclinganlage der Veka nach Thüringen. „Der Bundeswettbewerb ‚Umweltgerechte Modernisierung‘ greift den Grundgedanken der Nachhaltigkeit auf und hat dabei das Wohlergehen künftiger Generationen im Auge“, erklärte Schirmherr Prof. Harald Herrmann. Der Begriff beziehe sich auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes – von der Auswahl der Baustoffe bin hin zu deren Recyclingfähigkeit. „Das Wiederverwertungssystem für Kunststofffenster ist dafür ein hervorragendes Beispiel.“

Über 22.000 Tonnen PVC-Regranulat in 2012
Organisiert wird das bundesweite Sammel- und Wiederverwertungssystem seit 2002 von Rewindo zusammen mit weiteren Recyclingpartnern, u. a. der Tönsmeier Kunststoffe GmbH & Co. KG, Höxter, der Deceuninck Recycling, Diksmuide / Belgien sowie der Reststofftechnik GmbH, Henndorf /Österreich. „Im Jahr 2012 wurden auf diese Weise über 22.000 Tonnen PVC-Granulat aus Altfenstern und Rollladen zurückgewonnen, das entspricht etwa 1,2 Millionen recycelten und wiederverwerteten Fenstern“, so Rewindo-Geschäftsführer Michael Vetter.

Kompetente Wettbewerbsjury
Der Wettbewerbsjury gehörten neben Schirmherr Prof. Harald Herrmann sowie den Geschäftsführern Michael Vetter (Rewindo) und Werner Preusker (AGPU) an: Bernhard Helbing, Präsident des Verbandes Fenster + Fassade, Frankfurt am Main, Horst S. Schumacher, Herausgeber „Kommunalwirtschaft“ und Verleger, Kommunalverlag, Wuppertal, sowie Jörg Bleyhl, Verlagsmarketing GmbH, Stuttgart, Chefredakteur mehrerer wohnungswirtschaft-licher Fachmedien. „Ein Hauptanliegen des bereits zum zweiten Mal veranstalteten Wettbewerbs war es, das Thema Energieeinsparung bei Gebäudesanierungen um den Aspekt der Nachhaltigkeit zu erweitern. Daher war die Entsorgung von PVC-Altfenstern in einem geschlossenen Materialkreislauf auch diesmal ein wesentliches Kriterium für die Wettbewerbsteilnahme“, erläuterte Vetter.

Umsetzung der EU-Vorgaben bisher nur halbherzig Energetische Gebäudesanierung ist nicht nur auf nationaler Ebene ein aktuelles Thema. Die EU-Gebäuderichtlinie vom 8. Juli 2010 bestimmt, dass ab 2021 alle Neubauvorhaben im Passivhausstandard auszuführen sind. Die Richtlinie zielt darüber hinaus verstärkt auch auf Bestandsbauten. Bis 2050 sollen nach Willen der EU-Politiker sämtliche Gebäude europaweit diesem hohen Standard entsprechen. „Bis jetzt hat die Bundesregierung die Umsetzung der EU-Vorgaben nur halbherzig betrieben“, merkte Werner Preusker, Geschäftsführer der AGPU, kritisch an. Im Vergleich zu den staatlichen Fördermaßnahmen für andere Sektoren von Energieeinsparung und Klimaschutz, wie z. B. Elektromobilität, Solar- und Windenergie, werde die energetische Gebäudesanierung eher stiefmütterlich behandelt, obwohl etwa 40 Prozent des Energieverbrauches auf Wohngebäude entfalle. Es gelte ferner, im Sinne ganzheitlicher Konzepte alle Bereiche und Gewerke gleichermaßen in den Blick zu nehmen. „Die technischen Komponenten stehen dank moderner High-Tech-Produkte dafür schon heute zur Verfügung. Es bedarf daher keinerlei zusätzlicher staatlicher Investitionen in Forschung und Entwicklung“, betonte Preusker.

Das Video zum 2. Wettbewerb finden Sie hier.
Die Pressemitteilung zum Start des 1. Wettbewerbs „Umweltgerechte Modernisierung“ finden Sie hier.