Selbstverpflichtung der PVC-Branche

Seit mehr als 20 Jahren unternimmt die europäische PVC-Branche große Anstrengungen, um die Herausforderungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung gemeinsam zu meistern. So verabschiedeten die europäischen PVC-Hersteller bereits 1995 eine Industriecharta, in der im Ergebnis konkrete Emissionsgrenzwerte bei der Herstellung von PVC erreicht wurden, die noch unter den gesetzlich vorgegebenen Werten lagen.

Zusätzlich unterzeichneten die vier europäischen Hauptverbände ECVM (PVC-Hersteller), ECPI (ab 2017: European Plasticisers, PVC-Weichmacher-Hersteller), ESPA (PVC-Stabilisatoren-Hersteller) und EuPC (Kunststoff-Verarbeiter) in 2000 die freiwillige Selbstverpflichtung der PVC-Branche zur nachhaltigen Entwicklung Vinyl 2010, unter anderem mit konkreten Zielen zur Verwendung nachhaltiger Additive sowie der Entwicklung von Recyclingtechnologien und -mengen. Sämtliche Ziele von Vinyl 2010 wurden erreicht, einige sogar übertroffen.

VinylPlus

Der Abschluss von Vinyl 2010 markiert gleichzeitig den Anfang des neuen Nachhaltigkeitsprogramms VinylPlus, das im Sommer 2011 an den Start ging und auf den Erfolgen des Vorgängerprogramms aufbaut. Im Rahmen der Initiative Vinyl 2010 ist es unter anderem gelungen, eine europaweite Infrastruktur für die Sammlung und das Recycling von mehr als 250.000 Tonnen PVC pro Jahr zu errichten und Additive wie Cadmiumstabilisatoren zu ersetzen.

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Mit VinylPlus hat sich die europäische PVC-Branche in der zweiten Dekade die folgenden Ziele gesetzt:

  • Einen Quantensprung bei den registrierten PVC-Recycling-Mengen und der Entwicklung innovativer Recycling-Technologien zu erreichen. So sollen bis 2020 jährlich zusätzlich 800.000 Tonnen PVC recycelt werden.
  • Bedenken im Hinblick auf chlororganische Emissionen anzusprechen.
  • Die Verwendung von Additiven auf der Basis von Nachhaltigkeitskriterien sicherzustellen.
  • Die Energieeffizienz und Verwendung von erneuerbaren Energien und Rohstoffen in der PVC-Produktion zu steigern.
  • Die Nachhaltigkeit in der gesamten PVC-Wertschöpfungskette voranzutreiben.

VinylPlus vereint die große Mehrheit führender Unternehmen aus der PVC-Industrie aus 28 EU-Mitgliedsstaaten, aus Norwegen und der Schweiz. Die bis zum Jahr 2020 gültige Zielvereinbarung wurde gemeinsam mit dem renommierten schwedischen Nachhaltigkeits-Institut „The Natural Step“ konzipiert. VinylPlus wird von einem unabhängigen Beirat kontrolliert, dem Repräsentanten des Europäischen Parlaments, der EU-Kommission, der Gewerkschaften, des Handels und von Verbraucherorganisationen angehören.

Die Erfolge werden jedes Jahr im VinylPlus Fortschrittsbericht dokumentiert und seit einigen Jahren auf dem internationalen PVC-Nachhaltigkeitsforum (Vinyl Sustainability Forum) Stakeholdern aus Industrie, Behörden, Politik und Medien vorgestellt. Mit 568.696 Tonnen registrierter PVC-Recyclingmenge im Jahr 2016 verzeichnete das Nachhaltigkeitsprogramm erneut ein Rekordergebnis und ist weiterhin auf einem guten Weg, das erklärte Ziel von 800.000 Tonnen pro Jahr bis 2020 zu erreichen. Ebenfalls erfolgreich ist die Umstellung bei der Verwendung von Stabilisatoren von Blei- zu Calciumbasierten Systemen verlaufen. Ein externes Audit verifizierte mittlerweile den vollständigen Ersatz von Stabilisatoren auf Blei-Basis bei Neuware in der EU-28 durch die ESPA-Mitglieder. Auch beim Einsatz von Weichmachern finden erhebliche Veränderungen im Markt statt: deutliche Reduzierung von DEHP hin zu nicht-klassifizierten Phthalaten und anderen Weichmachern.

Zukunftsfähiger Werkstoff

PVC spielt eine wichtige Rolle in der nachhaltigen Entwicklung. Voraussetzung ist aber, dass Entscheidungen in der Politik auf Basis belastbarer Kriterien getroffen werden. So werden in den aktuellen Ökoprofilen zur Herstellung von PVC deutliche Verbesserungen bei der Rohstoff- und Energieeffizienz festgestellt.

Die geringen Lebenswegkosten vieler PVC-Produkte ermöglichen die Finanzierung bedeutender ökologischer und sozialer Verbesserungen. Fortschritte beim Recycling und der Entsorgung haben das Abfallproblem deutlich entschärft. Viele ehemals heiß diskutierte Risikothemen konnten entschärft werden, beispielsweise durch Substitution kritischer Additive. Dies hat zu einer wissenschaftlichen und politischen Neubewertung von PVC geführt.

Unsere Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialpolitik richtet sich am Leitbild einer nachhaltigen, zukunftsweisenden Entwicklung aus.  Produkte, die auf die Anforderungen in ihrem jeweiligen Einsatz optimiert wurden, wie solche aus PVC, sind sowohl ökonomisch als auch ökologisch und sozial „konkurrenzfähig“.

Der Werkstoff PVC bietet zahlreiche gute Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung unserer Industriegesellschaft durch:

  • den geringen Energieaufwand bei Herstellung und Verarbeitung
  • die Nutzung der praktisch unendlich verfügbaren Ressource Salz
  • die Koppelproduktion von Chlor und Natronlauge
  • geringe Emissionen und Abfälle bei Herstellung und Verarbeitung
  • werkstoffliche und rohstoffliche Wiederverwertbarkeit
  • gutes Preis-/Leistungsverhältnis der Produkte auch einschließlich der Umweltkosten
  • immenses ökologisch/soziales Optimierungspotenzial aufgrund seiner besonderen ökonomischen Vorteile.

Trotz der bereits erreichten Vorzüge von PVC und PVC-Produkten arbeiten Hersteller und Verarbeiter auch in Zukunft konsequent an

  • einer weiteren Verbesserung der ökologischen Eigenschaften des Werkstoffs PVC
  • einer weiteren Verbesserung der ökonomischen Konkurrenzfähigkeit des Werkstoffs PVC
  • und einer weiteren Verbesserung sozialer Belange.

PVC ist ein moderner leistungsstarker Kunststoff, der auch in Zukunft dringend benötigt wird. Der geringe Rohölanteil schont begrenzte Ressourcen und erhöht die Wirtschaftlichkeit des Werkstoffes. Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse und Langlebigkeit machen PVC zum Material der Wahl für nachhaltiges Bauen und Wirtschaften. Darüber hinaus wird die europäische PVC-Industrie mit ihrem Programm VinylPlus nachvollziehbar noch mehr Umweltschutz und noch mehr Konsumentensicherheit erreichen.